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Bozen

Bozen, die Landeshauptstadt Südtirols

Wer bei Don Bosco an eine Apfelsorte denkt, sollte noch einmal kurz nachdenken, obwohl man mit Äpfeln gar nicht so falsch liegt. Es handelt sich auch nicht um den Namen eines süditalienischen einflussreichen Paten – Don Bosco ist einer von fünf Stadtteilen der Südtiroler Landeshauptstadt Bozen.

Die meisten der knapp 107.000 Einwohner nennen ihre Stadt Bolzano, denn mehr als 70 Prozent der Bevölkerung ist italienischen Ursprungs, der Rest setzt sich überwiegend aus deutschstämmigen Bürgern zusammen, und nur ein verschwindend kleiner Teil spricht Ladinisch.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden viele Süditaliener in jetzt norditalienische Städte umgesiedelt, während die ursprüngliche Bevölkerung die bis dato österreichische Stadt Bozen verlassen musste. Das Siegerdenkmal in Form eines Triumphbogens, 1928 errichtet, berichtet vom Stolz der Italiener, das Gebiet um Bozen eingenommen zu haben und stellt die nationalen Verhältnisse eindrucksvoll klar. Bis heute ist das Zusammenleben der verschiedenen Volksgruppen nicht immer nur von Harmonie gekennzeichnet, und neu hinzu gekommene Gastarbeiter machen das Völkergemisch noch bunter.

Ein Beispiel für die manchmal spannungsgeladene Situation ist die Uneinigkeit der Stadtväter in der Frage, ob ein zentraler Platz nun Siegesplatz oder Friedensplatz benannt werden sollte. Unter Einfluss der überwiegend italienischen Bevölkerung setzte sich die Benennung Siegesplatz durch. Ob und wie lange die Johann-Wolfgang-von-Goethe-Schule und das Gymnasium Walther-von-der-Vogelweide ihre deutschen Namen behalten dürfen, wird augenblicklich nicht diskutiert.

Vielleicht wirkt die Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe Claudiana ausgleichend, da sie nach einem weiblichen Mitglied der mächtigen Medici Familie benannt ist. Zur Blütezeit der Medici war Bozen allerdings noch nicht italienisch, aber dafür lag es schon damals auf dem direkten Weg von Nord nach Süd.

Bozen, das Tor zu den Dolomiten

Wer als Reisender zu Handelszwecken oder mit kriegerischer Absicht von Norden her die Alpen überquerte, traf unvermeidlich auf die Ansiedlung, die zu Römerzeit Bauzanum genannt wurde. Die günstige Verkehrslage von Bozen machte die Stadt bereits im Mittelalter zu einem zentralen Umschlagplatz des abendländlichen Warenverkehrs. Auch noch heute profitiert die Stadt von Ihrer zentralen Lage und lassen sie zu einer beliebten Einkaufsstadt für Einheimische und Besucher aus nah und fern werden.

Eine Burg ganz in der Nähe hatte den Namen Bozen, die schon im 7. Jahrhundert als Burg eines bayrischen Grafen Geschichte machte. Die Gegend um Bozen herum wurde sowohl von den Langobarden bewohnt als auch von den Rätern. In den folgenden Jahrhunderten hatte die Kirche einen großen Einfluss auf die Entwicklung von Bozen, bevor sie sich zur wichtigen Handelsstadt entwickelte. Wer von Deutschland aus nach Venedig wollte, musste durch Bozen. Das ist im Grunde noch heute so, denn die Brennerautobahn führt direkt an Bozen vorbei, und so erlebt die Stadt alljährlich einen nicht zu übersehenden Verkehrsansturm.

Sehenswürdigkeiten

Aufmerksame Fahrer und Beifahrer dürfen die Vielzahl von Burgen bewundern, die sich im Bozener Becken befinden. Um die 40 Burgen sind es, die mehr oder weniger gut erhalten rechts und links der Autobahn teilweise hoch oben auf den Bergvorsprüngen von der Vergangenheit erzählen. Wer sich auf der Durchreise in den Süden in Bozen eine Pause gönnt, kann einen berühmten Mann besuchen. Im Südtiroler Archäologiemuseum wartet Ötzi auf seine Gäste. Seit er vor einigen Jahren in den Dolomiten entdeckt wurde, gibt er den Geschichtsforschern Rätsel auf. Ob der Mann aus dem Eis ermordet wurde oder einen natürlichen Tod erlitten hat, und ob er Deutsch oder Italienisch gesprochen hat, kann der Besucher in einem der Lokale in Ruhe überlegen und diskutieren, allerdings kann es passieren, dass er früher als gewohnt nach Hause muss, denn die Sperrstunde in Bozen ist außergewöhnlich früh.

Eine lebensfrohe Stadt

Insgesamt kann Bozen als eine reiche und eine lebensfrohe Stadt bezeichnet werden. Trotz des großen Verkehrs kommen Besucher immer wieder gerne in die Stadt, die aufgrund ihres milden Klimas zu den wärmsten Städten Mitteleuropas zählt. Und so kommt es auch, dass Bozen eine mediterrane Vegetation vorweisen kann.

Die alten Laubengänge von Bozen – die es bereits Goethe angetan haben – mit den modernen Geschäften, prägen das Bild der Innenstadt. Aber auch der Dom und der Walterplatz, benannt nach dem größten deutschen Lyriker Walter von der Vogelweide, der Obstmarkt und die engen Gässchen laden jeden Besucher stets aufs Neue ein.

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