Prettau im Tauferer Ahrntal, Südtirol

Im Tauferer Ahrntal in Südtirol befindet sich die Gemeinde Prettau. Dabei handelt es sich um einen Ort, der ganz im Nordosten Südtirols zu finden ist und aufgrund dieser geographischen Lage zugleich als die nördlichste Gemeinde Italiens gilt. Was die politischen Grenzen anbelangt, gehört Prettau zur Bezirksgemeinschaft Pustertal.

Prettau, das direkt an die Staatsgrenze zu Österreich angrenzt, ist von grünen Wiesen und Hängen umgeben und ist aufgrund der Lage inmitten der scheinbar unberührten Natur ein beliebter Urlaubsort für Gäste aus Nah und Fern. Begrenzt wird die Gemeinde von den Gipfeln der Zillertaler Alpen und der Rieserfernergruppe.

Die Gemeinde, die auf Italienisch „Predoi“ genannt wird, hat um die 600 Einwohner, wobei die Einwohner nahezu alle (etwa 98 Prozent) Deutsch als Muttersprache haben. Zur Gemeinde Prettau gehört auch der Weiler Kasern. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über eine Höhe von 1.325 Metern bis auf eine Höhe von 3.499 Metern über dem Meeresspiegel. Das Ortszentrum befindet sich auf 1.475 Metern. Fast Dreiviertel des Gemeindegebietes liegt im Naturpark Rieserferner-Ahrn.

Die Geschichte von Prettau

In Prettau hielten sich schon vor sehr langer Zeit Menschen auf; allerdings kann nicht genau bestimmt werden, wann Prettau erstmals besiedelt wurde. Schon in prähistorischer Zeit zogen hier zumindest die Menschen durch, da allen voran die Jöcher bedeutende Verbindungswege zwischen Nord- und Osttirol darstellten. Aber die Frage, ob die Menschen tatsächlich auch in dem heutigen Gemeindegebiet siedelten, kann nicht belastbar beantwortet werden. Man geht jedoch davon aus, dass sich bereit in der Bronzezeit im Ahrntal die ersten Dauersiedlungen befunden haben.

Urkundlich wurde Prettau erstmals im Jahr 1250 erwähnt. Damals wurde der Ort noch „Braitenowe“ bezeichnet, was „breite Aue“ bedeutete. Aus Braitenowe entstand dann schließlich der Name „Prettau“.

In Prettau hatte der Bergbau für die Menschen eine enorme Bedeutung. Erstmals wurde im Jahr 1426 von dem Kupferabbau berichtet. In diesem Jahr kaufte der Büchsenmeister Christoph drei Pfund Kupfer aus Prettau, um für den Landesfürsten zwei Büchsen zu gießen. Für das Kupfer zahlte er 33 Mark. Der Kupferabbau erfolgte bis ins Jahr 1893. Nachdem mit dem Abbau des Kupfers nochmals im Jahr 1957 begonnen wurde, wurde im Jahr 1971 der Bergbau vollständig eingestellt. Heute erinnert noch das Schaubergwerk Prettau an den einstigen Kupferabbau und vermittelt den Besuchern einen Eindruck, welch schwere Arbeit die Menschen damals verrichten mussten.

Im Jahr 1957 wurde in Prettau nicht nur der Bergbau erneut aufgenommen: In diesem Jahr wurde Prettau auch eine eigenständige Gemeinde. Nachdem Prettau mit fünf weiteren Orten im Jahr 1929 durch ein königliches Dekret (Beschluss) zur Gemeinde Ahrntal zusammengeschlossen wurden, erfolgte im Jahr 1957 die Ausgliederung Prettaus aus der heutigen Nachbargemeinde Ahrntal.

Heute leben die Einwohner in Prettau vor allem vom Fremdenverkehr und von der Land- und Forstwirtschaft.

Sehenswürdigkeiten

Obwohl Prettau ein relativ kleiner Ort ist, hat dieser einige Sehenswürdigkeiten zu bieten. Allen voran sind hier die Kirchen, aber auch das Schaubergwerk Prettau zu nennen.

Kirche von Prettau

Die Kirche von Prettau wurde um das Jahr 1489 erbaut und dem Heiligen Valentin geweiht. Später wurde er Kirchenbau erweitert bzw. verlängert.

An der Außenseite der Kirche ist ein Christopherus zu sehen, welcher aus der Zeit der Erbauerung stammt, jedoch freigelegt werden musste. Im Inneren der Kirche zeigt sich die Valentin-Kirche mit einem Netzgewölbe und ist weitestgehend neugotisch ausgestattet. Das Altarbild zeigt mit dem St. Valentin den Namenspatron der Kirche; das Bild wurde im 18. Jahrhundert von Franz Unterberger angefertigt.

Heilig-Geist-Kirche

Bei der Heilig-Geist-Kirche handelt es sich um eine kleine Kirche, welche am Ende des Tales zu finden ist und zugleich das älteste Gotteshaus im Gebiet der Großpfarre Ahrn ist. Man geht davon aus, dass das Kirchlein um das Jahr 1455 erbaut wurde, wobei das genaue Erbauungsjahr nicht bekannt ist. Das Kirchlein wurde an dieser Stelle errichtet, da man – so berichtet eine Legende – an dieser Stelle in der Erde ein läutendes Glöcklein gehört hat. Nach diesem Glöcklein hat man dann gegraben und fand ein Bildnis des Heiligen Geistes.

Der damalige Bischof von Brixen, Bischof Nicolaus Cusanus, hatte das Heilig-Geist-Kirchlein geweiht. Der ursprüngliche Kirchenbau war in der Anfangszeit kleiner als er sich heute zeigt. Im 16. Jahrhundert wurde die Heilig-Geist-Kirche nämlich vergrößert.

Wie auch die Kirche von Prettau verfügt das Heilig-Geist-Kirchlein über ein Netzgewölbe. Der Flügelaltar zeigt Gemälde von der Kreuzigung, der Grablegung, der Auferstehung, der Himmelfahrt und das Pfingstfest.

Hochmut kommt vor dem Fall

Mit ihrem im Jahr 2011 aufgenommenen Lied „Hochmut kommt vor dem Fall“ haben die Kastelruther Spatzen eine Geschichte aufgegriffen, welche in Prettau ihren Ursprung hat. Dabei geht es um einen jungen Mann, der sich selbst als den besten Schützen des Tales hielt. Sein Können stellte der Schütze vor seinen Freunden unter Beweis, indem er auf ein Wegkreuz, welches ursprünglich vom Prastmann-Hof stammt, schoss und den gekreuzigten Jesus traf. Diesen Hochmut musste er kurze Zeit später mit seinem Leben bezahlen. Als Zeichen, dass Hochmut vor dem Fall kommt, ist noch heute das Kreuz mit dem Einschuss in der Heilig-Geist-Kirche zu sehen. Zu dem Kirchlein kommt man über den Kaserner Kreuzweg, welcher in Kasern – dem Weiler von Prettau – beginnt.

Schaubergwerk Prettau

Dort wo einst das Kupfer abgebaut wurde, befindet sich heute das Schaubergwerk. In Prettau haben die Besucher und Gäste die Gelegenheit, in die mit dem Ort über 500jährige Bergbautradition einzutauchen und hautnah zu erleben, wie in dem Bergwerk Kupfer abgebaut wurde. Hierzu wurde der Erbstollen zum Schaustollen ausgebaut. Mit einer historischen Grubenbahn fährt man in den Stollen und bekommt hier viele Eindrücke und interessante Informationen über den Abbau des Erzes.

Prettau und das Klöppeln

Wer nach Prettau kommt, der wird sehr schnell feststellen, dass der Ort auch mit dem Klöppeln eng verbunden ist. Als im Jahr 1893 der Abbau des Kupfers eingestellt wurde, kämpften die Einwohner mit der Armut und mussten daher neue Einkommensalternativen suchen.

Das Klöppelhandwerk war bereits Ende des 18. Jahrhunderts in Prettau bekannt. Ein Knappe soll hier bereits geklöppelt haben und in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde zirka 300 Personen gezählt, die geklöppelt haben. Im 19. Jahrhundert hatte sich die Anzahl der Klöppler auf mehr als 500 erhöht, hatte dann aber einen Rückgang mit dem Abbau des Hausgewerbes erlebt. Kurat Johann Pescosta hatte dann schließlich das Spitzenklöppeln als Ersatz für das einst aus dem Bergbau stammende Einkommen gefunden. Pescosta wurde durch den damaligen Pfarrer Franz Kleinlechner unterstützt, indem drei Frauen nach Wien in einen Zentralspitzenkurs geschickt wurden. Als die drei Frauen nach Prettau zurückkehrten, wurde die noch heute bestehende Klöppelschule durch Rosa Kofler Mittermair eingerichtet.

Besucher von Prettau sollten sich auf jeden Fall Zeit nehmen, und den Frauen beim Klöppeln zuzuschauen. So mancher Gast hat bereits gestaunt, welche Kunstwerke die Frauen durch das Klöppeln schaffen. Im Haus Prettau gibt es für die Besucher extra Klöppelvorführungen.

Durch das Klöppeln werden heute Messkleider, Spitzen für Trachtenblusen, Christbaumschmuck und Tischwäsche angefertigt.

Damit das in Prettau vorhandene Wissen und Können des Klöppelns auch an die nächsten Generationen weitergegeben wird, wurde im Jahr 1994 extra ein Klöppelverein gegründet.

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