Das einstige Kupferbergwerk ist heute ein Schaubergwerk

Die Geschichte von Prettau, der nördlichsten Gemeinde Südtirols und damit der nördlichste Gemeinde Italiens, ist eng mit dem Abbau von Kuper verbunden. Über viele Jahrhunderte hinweg waren die Einwohner mit dem Abbau des Erzes beschäftigt, weshalb der Bergbau auch eine bedeutende Rolle hinsichtlich des Erwerbseinkommens bei den Bewohnern spielte. Heute wird kein Bergbau mehr betrieben – aber alle Interessierten können im Schaubergwerk Prettau sehen, wie die Menschen in dem Bergwerk Kupfer abgebaut haben.

Geschichte des Kupferbergwerks

Die erste Erwähnung fand das Bergwerk in Prettau im Jahr 1426. In diesem Jahr hatte der Landesfürst Friedrich IV – auch als der „Friedl mit der leeren Tasche“ bekannt – zwei Büchsen in Auftrag gegeben, wofür der Büchsenmeister Christoph drei Pfund Kupfer für 33 Mark kaufte. Es ist jedoch davon auszugehen, dass bereits in der Bronzezeit in dieser Gegend Bergbau betrieben wurde, da man in dem Bergwerk eine Streitaxt fand, welche aus der Zeit zwischen 1300 und 1000 vor Christi stammen könnte.

Wer die ersten Anteilseigner (Gewerke) des Kupferbergwerks Prettau waren ist nicht bekannt. Die Familie der Freiherren von Welsperg waren ab 1504 Gewerken des Bergwerkes. Als der letzte Nachkomme dieser Familie im Jahr 1562 verstarb, wurde das Bergwerk von der Familie von Wolkenstein-Rodenegg geführt.

In der Folgezeit hatte das Bergwerk mehrere Besitzer, bis es im Jahr 1676 jeweils zur Hälfte an den Graf von Tannenberg und den späteren Freiherren von Sternbach verkauft wurde. 1831 wurde der Graf Enzenberg Besitzer.

Der Bergbau wurde nach fünf Jahrhunderten des Erzabbaus in Prettau im Jahr 1893 eingestellt. Der Grund war, dass das Schmelzwerk übermurt wurde und auch ein neu erbautes Schmelzwerk das Bergwerk nicht retten konnte. Eine nochmalige Aktivierung des Bergbaus erfolgte im Jahr 1957, bis der Abbau des Kupfers schließlich im Jahr 1971 endgültig eingestellt wurde.

Im Jahr 1996 wurde das Museum – das Schaubergwerk Prettau – eröffnet. Hierzu wurde in den 1990er Jahren der Erbstollen zum Schaustollen ausgebaut.

Der Abbau des Kupfers

Man begann mit dem Kupferabbau immer an der Stelle, an der das Erz an der Erdoberfläche sichtbar wurde. Im Fachjargon ist das die Stelle, an der das Erz ausbeißt. In Prettau war dies auf einer Höhe von 2.000 Metern über dem Meeresspiegel in der Nähe des Rötkreuzes. Die Erzadern mit einer Breite von bis zu zehn Metern führten in eine Tiefe von etwa 550 Metern. Die zu den Stollen führenden Erzgänge werden immer länger, je weiter man sich der Talsohle nähert.

Das Erzvorkommen konnte meist nur schwer lokalisiert werden. Heute berichten Sagen davon, dass Tiere das Erz freischarrten. Dabei ist allerdings davon auszugehen, dass diese Sagen einen wahren Kern haben. Später konnte man Naturbeobachtungen zur Lokalisation des Erzes nutzen. Hatten beispielsweise die Kräuter oder das Gras nur eine schwache Farbe oder sind diese bereits früh verdorrt, konnte man annehmen, dass darunter Erz vorhanden ist.

Der Abbau des Kupfers erfolgte zunächst im Regelfall über das Schrämen. Dabei setzten die Knappen mit einer Hand ein Eisen auf und mit der anderen Hand wurde das Eisen mit dem Schlägel in den Stein gehauen. Später, etwa im 17. Jahrhundert, wurde das Schwarzpulver zum Abbau des Erzes eingesetzt.

Das Kupfer ist sehr dehnbar, weshalb es für die Messingproduktion und die Herstellung von feinen Drähten verwendet wurde bzw. wird. Jährlich wurde im Kupferbergwerk Prettau Kupfer von etwa 56 bis 84 Tonnen gewonnen.

Besuch des Schaubergwerks

Das Schaubergwerk Prettau befindet sich in 39030 Prettau, Südtirol. In der Zeit von Anfang April bis Ende Oktober eines Jahres werden in der Zeit von 09:30 Uhr bis 16:30 Uhr Führungen angeboten, wobei die letzte Führung um 15:00 Uhr beginnt. Nach vorheriger Vereinbarung können auch spätere Führungen vereinbart werden.

Bei einem Besuch des Schaubergwerks kann man mit der erneuerten Grubenbahn (hat zwei Mannschaftswaggons) in das Bergwerk einfahren. Die Grubenbahn hat ihr Ziel am Grubenbahnhof, in deren Nähe sich in einem großen Hohlraum eine alte Seilwinde befindet. Mit der Seilwinde wurde einst das Abbaugut aus dem Erzherzog-Johann-Schacht hochgezogen. An der Seilwinde erhält man über einen Bildschirm interessante Informationen über das Bergwerk. Anschließend absolviert man zwei Rundgänge. Der erste, etwa 250 Meter lange Rundgang verläuft auf der Sohle des Ignazstollens, der zweite, etwa 80 Meter lange Rundgang führt zur sogenannten Sechsersohle hinunter.

Wie nahezu alle Museen in Südtirol hat auch das Schaubergwerk Prettau montags immer geschlossen.

Empfehlenswert ist es auch, das Bergbaumuseum im Kornkasten Steinhaus zu besichtigen. Dieses Bergbaumuseum wurde im Jahr 2000 eröffnet und ergänzt sich im Informationsangebot hervorragend mit dem Schaubergwerk Prettau.

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