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Die Herz-Jesu-Feuer haben eine lange Tradition

Etwa Mitte Juni eines jeden Jahres werden in gesamt Südtirol – ja sogar in ganz Tirol – die sogenannten Herz-Jesu-Feuer entzündet. In der Abenddämmerung werden von den Felswänden und Bergeshöhen Feuer entzündet, mit denen Herzen, Kreuze oder das Zeichen Christi „INRI“ dargestellt werden. Sicherlich haben diese Feuer eine große Attraktion, insbesondere unter den Touristen, da dieses nur in Tirol zu sehen ist. Doch die meisten kennen den wahren Sinn, der hinter den Herz-Jesu-Feuern steckt, nur sehr wenig bis gar nicht. Lesen Sie hier, auf welchen Ursprung die Herz-Jesu-Feuer zurückgehen und wie sich diese zu einem Brauchtum in Tirol entwickelt haben.

Die Herz-Jesu-Feuer finden immer am dritten Wochenende nach Pfingsten statt. Teilweise werden an diesem Wochenende, je nach Region oder Gebiet, die Feuer am Samstag oder am Sonntag entfacht.

Zur Geschichte

Tirol hatte im 16. Jahrhundert durch Kaiser Maximilian I. das Privileg, dass die Männer für ihr Vaterland nicht außerhalb der Landesgrenzen in den Krieg ziehen mussten. Auch wurden für den Krieg keine Abgaben seitens des Landes verlangt. Im Gegenzug wurde den Tirolern für dieses Privileg, welches im sogenannten „Landlibell“ verankert wurde, die Pflicht auferlegt, selbst für die Verteidigung ihres Vaterlandes zu sorgen. Diese Privilegien gefielen seinerzeit Kaiser Joseph II, dem Habsburger Kaiser in Wien, nicht besonders. Die Folge war, dass in Tirol die Landesverteidigung sehr schlecht ausgerüstet war und auch keine Übungen für den Kriegs- bzw. Verteidigungsfall durchgeführt wurden.

Die Vernachlässigung der Landesverteidigung brachte für das Land Tirol im April 1796 enorme Schwierigkeiten. In diesem Monat bedrohte Napoleon mit bayrischen und französischen Truppen das Land und stellt aufgrund dessen Übermacht Tirol vor eine scheinbar unlösbare Aufgabe. Alle Männer, die wehrtauglich waren, wurden noch im April 1796 militärisch geschult und das Land wurde in Kriegsbereitschaft versetzt. Kurz darauf kamen in der heutigen Landeshauptstadt Südtirols, in Bozen, die Regierung und die Tiroler Landesstände zusammen, um sich über die drohende Gefahr seitens Napoleons Truppen zu beraten. Der Pfarrer von Wildermieming, Herr Anton Pfaufler, brachte einen außergewöhnlichen Vorschlag.  Dieser Vorschlag wurde vom Stamser Abt Sebastian Stöckl aufgegriffen und sogar von allen Ausschussmitgliedern mitgetragen.

Das Land dem „Heiligsten Herzen Jesu“ anvertrauen

Der Vorschlag sah vor, dass das Land Tirol dem „Heiligsten Herzen Jesu“ anvertraut werden soll. Nachdem diese Idee sofort einstimmig Anklang fand, wurde ein Schwur abgelegt, mit dem zwischen dem Land Tirol und dem „Heiligsten Herzen Jesu“, also Gott, ein starkes Band geknüpft werden sollte.

Der abgelegte Schwur erreichte sein Ziel und übertraf sogar sämtliche Erwartungen. Es meldeten sich in der Folgezeit zahlreiche Freiwillige, die den Tiroler Landsturm verstärken wollten. Dieses Ausmaß war für das Land bis dahin ein absolutes Novum. Überraschend gewannen sogar die von Andreas Hofer angeführten Truppen die Schlacht gegen die von Napoleon angeführten Franzosen und Bayern. Der überraschende Sieg Tirols, welcher durch den abgelegten Schwur und letztendlich durch das Eingreifen Gottes errungen werden konnte, gab den Anlass, den Herz-Jesu-Sonntag zum Hohen Feiertag zu erheben.

Das Entzünden von Bergfeuern war im 18. und 19. Jahrhundert nichts Ungewöhnliches. Zur damaligen Zeit konnte man über jene Bergfeuer Signale senden. So wurde beispielsweise der Landsturm einberufen, indem von bestimmten Bergen bzw. Berggipfeln aus Signalfeuer entfacht wurden. Aber auch zur Sonnwendfeier wurden Bergfeuer entfacht. Die Feuer, welche zur Sonnwendfeier entfacht wurden, wurden im Laufe der Zeit mehr und mehr von den Herz-Jesu-Feuern abgelöst, so dass diese sich zur Tradition bzw. Brauchtum entwickelten. Durch die Herz-Jesu-Feuer wird also noch heute der Schwur, den damals das Land Tirol mit dem Heiligsten Herzen Jesu begangen hat bzw. der Bund mit dem Herzen Jesu, jährlich erneuert und ins Bewusstsein der Bevölkerung gerufen.

Die Kritik an den Herz-Jesu-Feuern

Kritik an den Herz-Jesu-Feuern gibt es dahingehend, dass diese sich aktuell zur touristischen Attraktion entwickelt haben und der wahre Grund – die Erneuerung des Bundes mit Gott – in den Hintergrund getreten ist. Teilweise werden von den Tirolern die Herz-Jesu-Feuer entfacht, da es sich um Brauchtum handelt. Auch in diesem Zusammenhang wird oftmals nicht an den einstig geschlossenen Bund mit dem Heiligsten Herzen Jesu gedacht bzw. der Bund mit Gott nicht aus innerer Überzeugung erneuert. Zum Teil werden mit der Teilnahme an den Herz-Jesu-Feuern auch politische Prägungen gesehen, die sie allerdings in keinster Weise sind.

Auch, dass die Feuer dem Herzen Jesu gewidmet sind, wird von „aufgeklärten“ Leuten konträr gesehen. Schließlich handelt es sich beim Herzen Jesu „lediglich“ um einen Muskel, der mit den Herz-Jesu-Feuern verehrt wird. Allerdings wird die Verehrung des Herzen Jesu damit gerechtfertigt, dass man damit bei der Bevölkerung erreichen möchte, dass diese mit wachem und offenem Herzen ihren Alltag leben. Der Ursprung der Herz-Jesu-Verehrung ist in der Bibel im Neuen Testament zu finden. In Johannes 19, Vers 34 wird der Lanzenstich beschrieben. Am Tag der Kreuzigung von Jesus und nach dessen Tod, wurde von einem römischen Hauptmann nochmals die Seite – das Herz – durchbohrt. Dieses durchbohrte Herz gilt damit als die unermessliche Liebe Gottes gegenüber den Menschen.