Reschensee

Der Reschensee in Graun

Der Reschensee in Graun im westlichen Teil von Südtirol ist wohl der bekannteste See von ganz Südtirol. Der See liegt auf einer Höhe von 1.520 Metern und ist vor allem deshalb bekannt, weil aus der Mitte des Sees ein Kirchturm herausragt.

Der Kirchturm der damaligen Pfarrkirche St. Katharina zählt als Wahrzeichen der Gemeinde Graun. Hierbei handelt es sich um einen romanischen Turm, der bereits im 14. Jahrhundert erbaut wurde.

Was heute für die Gäste und Werbeagenturen ein beliebtes Fotomotiv darstellt, war für die damaligen Bewohner des Gebietes einen wahrer Schicksalsschlag. Zwar fällt es nicht schwer zu erkennen, dass es sich aufgrund des herausragenden Kirchturms beim Reschensee um keinen natürlichen See handelt, doch die Geschichte hierzu ist nur wenig bekannt.

Das Stauseeprojekt

Bereits im österreichischen Kaiserreich gab es Pläne für ein Stauseeprojekt in dieser Region. Zu jener Zeit gab es gegen das Stauseeprojekt keinen nennenswerten Widerstand, da dieses vorsah, den Wasserspiegel um nur fünf Meter anzuheben. Die Dörfer Graun und Reschen hätten daher keine Auswirkungen in Kauf nehmen müssen. Die Idee des Stauseeprojektes wurde im Jahr 1920 von der italienischen Regierung übernommen.

Die nationale Energiegesellschaft hatte im Jahr 1939 das Stauseeprojekt überarbeitet. Nach den neuen Plänen sollte der Wasserspiegel um 22 Meter angehoben werden. Hiergegen gab es in der Folgezeit allerdings enormen Widerstand, da hier die Evakuierung des Dorfes Graun und teilweise von Reschen erforderlich wurde.

Die Bevölkerung tat alles, um Unterstützung dafür zu bekommen, dass das Projekt fallen gelassen wurde. Sogar der Papst wurde eingeschaltet. Alles blieb jedoch erfolglos. Denn am 20.03.1947 wurde die Bevölkerung darüber informiert, dass das Stauseeprojekt endgültig umgesetzt und bis zum Jahr 1949 abgeschlossen sein wird. Damit wurden sämtliche Hoffnungen der Bewohner, die nach Kriegsende und der wieder vorherrschenden demokratischen Verhältnisse daran glaubten, dass das Stauseeprojekt endgültig fallen gelassen wird, vernichtet.

Das Ausmaß des Projektes für die Bewohner von Graun und teilweise von Reschen machen die Zahlen deutlich: 163 Wohnhäuser mussten gesprengt werden, 70 Prozent der Bevölkerung musste abwandern, 523 Hektar Kulturboden wurde geflutet. Darüber hinaus erhielten die Bewohner, die – wie es offiziell hieß - zur Stärkung der nationalen Industrie und aus nationalem Interesse ihre Heimat verlassen mussten, nicht einmal einen Realersatz für ihr damaliges Hab und Gut. Aus Denkmalschutzgründen ließ man den Kirchturm der Pfarrkirche „St. Katharina“ stehen.

Der Reschensee

Durch die Flutung der Region entstand der Reschensee mit einer Größe von 677 Hektar. Der See hat eine Länge von sechs Kilometern und eine Breite von einem Kilometer. In den heutigen Reschensee gingen auch der Mittersee, der auch Grauner See genannt wird und der Haidersee auf.

Der heute aus dem Reschensee herausragende Glockenturm ist ein stiller Zeuge jenes Stauseeprojektes in Südtirol, welches für die Bewohner des Gebietes einen wahren Schicksalsschlag darstellte. Der Glockenturm, der bereits im Jahr 1357 geweiht wurde, ist heute das Wahrzeichen der Region um den Reschensee. Im Jahr 2009 musste der Turm, nachdem im Mauerwerk Risse entdeckt wurden, restauriert werden. Hierzu wurde der Kirchturm trocken gelegt. Bei den Restaurierungsarbeiten wurden auch das Kirchendach und die Zifferblätter der Kirchturmuhr restauriert.

Die Kastelruther Spatzen, die bekannteste volkstümliche Musikgruppe aus Südtirol, haben dem Stauseeprojekt mit einem im Jahr 1995 aufgenommenen Titel „Atlantis der Berge“ ein Lied gewidmet. Dieser Titel erschien von den Kastelruther Spatzen auch als Videoclip und zeigt die Dramatik des Stauseeprojektes für die damaligen Bewohner auf.

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