Rittner Bahn

Eisenbahn-Romantik am Ritten, Südtriol

Wer von der Südtiroler Landeshauptstadt Bozen mit der Rittner Seilbahn auf den Ritten – ein  Hochplateau im Südosten der Sarntaler Alpen – fährt, dem erwartet hier mit der Rittner Bahn eine romantische Eisenbahnlinie. Bei der Rittner Bahn handelt es sich um eine Schmalspurbahn, welche die Orte Maria Himmelfahrt mit Klobenstein, dem Hauptort des Rittens, verbindet. Die Rittner Bahn ging bereits im Jahr 1907 in Betrieb, weshalb im August 2017 das 110jährige Jubiläum gefeiert wurde.

Teilweise wird die Rittner Bahn auch Rittnerbahn geschrieben. Die italienische Bezeichnung lautet „Ferrovia del Renon“.

Die Geschichte der Rittner Bahn

Wer heute einmal den Ritten besucht, der kann sich gut vorstellen, dass dieses Gebiet um die Jahrhundertwende vom 19. in das 20. Jahrhundert von der Außenwelt nahezu abgeschnitten war. Nur ein kleiner Pfad führte auf das Hochplateau hinauf, von dem man einen traumhaften Blick auf die umliegenden Dolomitengipfel hat. Von hier zeigen sich der Schlern und der Rosengarten in ihrer unverwechselbaren Pracht. Geht man in der Geschichte allerdings weiter zurück, hatte der Ritten zur Zeit der Römer eine bedeutende Rolle gespielt. Denn hier führte einst eine wichtige Wegverbindung von Südgermanien über den Ritten zur Poebene. Die damalige Route durch das Eisacktal war seinerzeit noch unwägbar. Erst die im Jahr 1314 geschaffene Verbindung im Eisacktal hatte den Ritten, was die Verkehrsroute betrifft, an Bedeutung verlieren lassen.

Anfang des 17. Jahrhunderts entdeckten Adelsfamilien und Kaufleute das Hochplateau als Sommersitz. Hier konnte man von der Hitze in der Stadt Bozen in die Sommerfrische fliehen. In diesem Zusammenhang kam es zum Bau von Häusern und auch zu einer Verbesserung des Zugangs von Bozen aus.

Im Jahr 1907 wurde schließlich die Rittner Bahn nach Schweizer Vorbild gebaut und brachte eine tiefgreifende Veränderung mit sich, was die Verkehrsverbindungen von Bozen auf den Ritten, aber auch auf dem Ritten selbst betrifft. Wurde bis dahin der Ritten ausschließlich landwirtschaftlich genutzt, wurde die Region auch für den Fremdenverkehr interessant. Das Unternehmen von Josef Riehl – der auch die Straße nach Kastelruth erbaut hatte – hatte den Auftrag für die Planung und Durchführung für den Bau der Bahn erhalten.

1969 kam es zur Eröffnung einer gut ausgebauten Autostraße, die den Ritten zu einem beliebten Urlaubsgebiet und zu einem gut ausgebauten Ferienpark machte.

Unterkünfte, welche bis hin zu luxuriösen Hotel reichen, Schwimmbäder, Tennisplätze, und diverse andere Sport- und Freizeiteinrichtungen verhalfen dem Ritten zu einer Popularität, bei der allerdings der eigentliche Charakter der Landschaft nie aus den Augen verloren wurde.

Zunächst wurde von Bozen aus eine vier Kilometer lange Strecke nach Maria Himmelfahrt gebaut. Diese Strecke war als Zahnradbahn konzipiert und benötigte für den Höhenunterscheid von 265 Meter auf 1.176 Meter über dem Meeresspiegel fast eine Stunde. Diese extrem lange Fahrzeit und auch die Überalterung der Fahrzeuge hatte vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg zu Überlegungen geführt, welches alternative Transportmittel zum Einsatz kommen könnte. Neben der Erneuerung der Zahnradbahn war auch der Bau einer Straße im Gespräch. Am 03.12.1964 kam es oberhalb von St. Magdalena zu einem schweren Unfall, bei dem vier Fahrgäste ihr Leben verloren haben und 30 Fahrgäste teils schwer verletzt wurden. Bei dem Unfall entgleiste ein talwärts fahrender Zug, wobei sowohl die Zahnradlokomitove und der Triebwangen abstürzten. Dieser Unfall beschleunigte letztendlich die Überlegungen nach einem alternativen Transportmittel auf den Ritten.

Am 16.07.1966 wurde schließlich eine Standseilbahn auf den Ritten eröffnet, mittels derer man in nur zwölf Minuten die 4.565 Meter lange Trasse zurücklegen konnte. Die damalige meterspurige Steilstrecke wurde eingestellt. Ab diesem Zeitpunkt gab es dann nur noch die Rittner Bahn auf dem Plateau des Rittens, die bis Klobenstein fährt. Fortan gab es keine Zahnradbahn mehr und die Rittner Bahn bestand nur noch ab Maria Himmelfahrt als reine Adhäsionsbahn. Im Zuge der Einstellung der Zahnradbahn wurde auch der Streckenabschnitt zwischen dem Waltherplatz in Bozen und der Talstation aufgelassen.

Im Jahr 1969 wurde eine Straße auf den Ritten nach Klobenstein eröffnet. Die Rittner Bahn verfügte hier zwar noch über die uralten und historischen Triebwagen, diese waren allerdings trotz aller Romantik nicht mehr zeitgemäß. Die Bahn konnte ihre ursprüngliche Bestimmung nicht mehr erfüllen. Erst geraume Zeit später – im Jahr 1982 – wurde ein Komitee ins Leben berufen, welches den Erhalt der Rittner Bahn zum Ziel hatte und das auch die an die Bahn gestellten Aufgaben ökonomisch sinnvoll lösen sollte. Insbesondere die Gemeinde Ritten und die Stadt Bozen waren sich einig, dass für den Fortbestand der Rittner Bahn alles getan werden sollte.

Von der stillgelegten Straßenbahn Eßlingen – Nelingen – Dehrendorf wurden von der Gemeindeverwaltung Ritten zwei Triebwagen – damals für einen symbolischen Preis – angeschafft und auf Vordermann gebracht. Sogar die Stadt Rom hatte Geldmittel für die Sanierungsarbeiten an den Fahrleitungsmasten und am Oberbau zur Verfügung gestellt.

Im Jahr 1985 wurden grundlegende Sanierungsarbeiten – diese wurden schon 1982 beschlossen – durchgeführt. Das Empfangsgebäude in Maria Himmelfahrt wurde stilecht nach den Originalplänen saniert. Im Jahr 1989 folgten schließlich noch an den Bahnübergängen die Sicherungseinrichtungen, die zu dieser Zeit längst überfällig waren.

Von 2008 bis 2013 erfolgten weitere Sanierungsmaßnahmen, im Rahmen derer es zu einer Verlängerung der Bahnsteige und zu einer Erneuerung der Stromversorgung kam.

Nachdem die Rittner Seilbahn 2009 komplett erneuert wurde, hat die Rittner Bahn einen starken Zuwachs verzeichnen können. Bis zu 4.000 Fahrgäste täglich werden teilweise gezählt.

Die Strecke der Rittner Bahn

Ursprünglich hatte die Strecke der Zahnradbahn am östlichen Teil des Waltherplatzes in Bozen begonnen. Die Strecke führt am Bozner Bahnhof vorbei zum Rittner Bahnhof. Ein kurzes Stück später begann die Zahnradstrecke. Nach einem Kilometer kam ein Viadukt mit einer Länge von 150 Metern und einer maximalen Steigung von 255 Promille. Danach hatte man St. Magdalena passiert. Bei Kilometer 5,05 hatte die Bahn den Bahnhof Maria Himmelfahrt erreicht. An diesem Bahnhof endete auch die Zahnstange.

Ab Maria Himmelfahrt war die Bahn als Adhäsionsbahn ausgelegt. Ab diesem Bahnhof ist die Bahn heute noch in Betrieb. Durch ein Waldstück geht es in einem großen Bogen zum Bahnhof Oberbozen (Soprabolzano). An diesem Bahnhof ist eine Remise mit einer gut ausgerüsteten Werkstatt vorhanden, in der die Wartung der Fahrzeuge und auch die Aufbereitung der neuen Fahrzeuge erfolgt.

Der nächste Haltepunkt ist Wolfsgruben (Costalovara). Bis dahin müssen ein Mischwald und weite Felder durchfahren werden. Der Haltepunkt befindet sich inmitten einer Wiese. Von Wolfsgruben geht es zum Haltepunkt Lichtenstern (Stella), bei der die Bahnstrecke den höchsten Punkt auf 1.250 Meter über dem Meeresspeigel erreicht.

Der nächste Haltepunkt ist Rappersbühl bzw. Rappersbichl (Colle Renon). Dieser Haltepunkt ist vor allem für die Aussicht und die sich hier bietenden Rundblicke beliebt und bekannt. Von hier hat man einen hervorragenden Blick auf den Schlern, die Santner- und Euringerspitze, die Langkofel- und die Geislergruppe.

Von Rappersbühl beginnt der letzte Streckenabschnitt mit einer Länge von elf Kilometern. Als nächste Haltestelle wird schließlich Klobenstein (Collalbo) erreicht. In der in Klobenstein befindlichen Remise ist meistens auch ein Triebwagen über Nacht abgestellt.

Die Daten zur Bahn

Die Rittner Bahn bestand ursprünglich aus drei Streckenabschnitten. Innerhalb der Stadt Bozen war die Bahn auf einer straßenbahnähnlichen Trasse unterwegs. Von Bozen bis Maria Himmelfahrt auf den Ritten bestand die Bahnstrecke aus einer Zahnradstrecke. Diesen Streckenabschnitt deckt die heute die – im Jahr 2009 eröffnete – moderne Rittner Seilbahn ab. Und Auf dem Ritten von Maria Himmelfahrt bis Klobenstein – dieser Abschnitt ist heute noch vorhanden und wird genutzt – verkehrt die Bahn als Adhäsionsbahn.

Die Spurweite beträgt 1.000 Millimeter (sogenannte Meterspur). Die Höchstgeschwindigkeit der Bahn beträgt 30 km/h.

Immer eine Fahrt wert

Wer den Ritten besucht, dem wird eine Fahrt mit der Rittner Bahn empfohlen. Schon beim Betreten der historischen Triebwagen wird die Kleinbahnromantik sofort wieder lebendig. Oftmals werden die Triebwagen auch als Hochzeitskutschen bzw. für Fahrten von Hochzeitsgesellschaften verwendet.

Aber nicht nur die Fahrt in der alten, historischen Bahn ist ein Erlebnis. Auch die Aussicht auf dem Hochplateau des Rittens über die Dolomitengipfel hinweg ist unverwechselbar und wird nach einer Fahrt noch lange in Erinnerung bleiben.

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