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Die Ruine Kehlburg bei Gais

Gais ist eine Gemeinde im Tauferer Ahrntal in Südtirol. Oberhalb der Gemeinde befindet sich auf einem bewaldeten Hügelrücken die Ruine der damaligen Burg und Schloss Kehlburg. Die Kehlburg blickt auf eine mehr als tausendjährige Geschichte zurück. Die einstige Burg ist allerdings heute nur noch eine Ruine; dennoch lohnt sich ein Besuch der Kehlburg, da es in dem historischen Gemäuer noch vieles zu entdecken gibt. Zudem hat man von der Kehlburg aus einen sehenswerten Ausblick über das Brunecker Talbecken und in das Tauferer Tal.

Die Ruine Kehlburg wurde auf dem Kehlburg-Plateau errichtet, auf dem sich ein Hof befand. Diesen Hof kaufte der hl. Bischof Albuin dem Edelmann Liuto ab und legte im Jahr 975 den Grundstein für die Kehlburg. Daher gelten die Brixner Bischöfe als Errichter der Kehlburg, welche zur Errichtungszeit „Chela-Burg“ genannt wurde.

In den ersten Jahrhunderten nach ihrer Errichtung war die Kehlburg nahezu ständig als Pfand oder zu Lehen gegeben. In den 1460er Jahren entstand zwischen dem Kardinal Cusanus und Herzog Sigmund ein Streit. Dieser Streit wurde durch einen Kompromiss beendet, durch welchen im Jahr 1462 die Burgen des Hochstiftes und damit auch die Kehlburg an Venedig übergeben wurden. Nach dem Ende des Zwistes ging die Kehlburg wieder in das Eigentum der Kirche über.

Die Herren von Rost

Wer sich mit der Geschichte der Kehlburg befasst, der wird einiges über die Herren von Rost erfahren. In deren Besitz befand sich die Kehlburg um die 350 Jahre lang. Den Beginn macht Hans II. von Rost zu Aufhofen, welcher – 1494 geboren – im Jahr 1543 zum brixnerischen Hauptmann im Pustertal ernannt wurde. Schon zwei Jahre später wurde er für seine Verdienste mit der Kehlburg belohnt. Allerdings hatte der damalige Bischof mit der Lehensverleihung der Kehlburg einen Hintergedanken. Der Bischof sah nämlich mit Hans II. von Rost den richtigen Mann dafür, die Kehlburg auf Vordermann zu bringen. Denn die Burg war inzwischen schon relativ stark verfallen und so war an die Lehensverleihung die Bedingung geknüpft, die Kehlburg und die gesamte Schlossanlage wieder aufzubauen.

Hans II. von Rost hatte seinerzeit viel Arbeit in die Kehlburg hineingesteckt, die noch heute erkennbar ist. So stammen beispielsweise der Gusserker, welcher über dem Rundbogentor angebracht ist und die Erker und Holzsöller am Palas von Hans II. von Rost. Er ließ auch die Schlosskapelle erneuern. Im Mai 1577 rutsche Hans II. von Rost bei den Renovierungsarbeiten der Kehlburg von einem Baugerüst und verunglückte dabei tödlich.

In der Folgezeit wurde die Kehlburg innerhalb der Rostschen Familie vererbt, die jedoch nicht mehr so viele Renovierungs- und Erhaltungsarbeiten in die Kehlburg investierten, wie dies Hans II von Rost tat. Letzter Besitzer der Herren von Rost war schließlich Karl von Rost, der die Kehlburg 1891 Dr. Sigmund Bubics, den Weihbischof von Kaschau in Ungarn verkaufte. Dieser hatte dann schließlich derart hohe finanzielle Mittel für die Erneuerung der Kehlburg aufgebracht, dass er gezwungen war, die Burg wieder zu verkaufen. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die Schlosskapelle vor dem Verfall gerettet werden konnte.

Nach Dr. Sigmund Bubics wurde der reichsdeutsche Konsul Wilhelm Assia Steffen im Jahr 1907 der neue Eigentümer der Kehlburg. Nur wenige Jahre später kam die Kehlburg nach dem Ende des Ersten Weltkriegs an Italien. Der italienische Staat verkaufte die Kehlburg schließlich an Commendatore Vascellare, einem Industriellen aus Cadore. Bis heute wurde die Kehlburg innerhalb dieser Familie weitervererbt.

Das Feuer am 30.04.1944

Die Kehlburg wurde am 30.04.1944 von einem Brand heimgesucht. Leider ist bis heute nicht bekannt, weshalb das Feuer damals ausgebrochen ist. Doch dem Feuer fiel der größte Teil der Kehlburg zum Opfer, die bis heute nicht wieder aufgebaut wurde und sich somit den Besuchern als Ruine präsentiert. Die Ruine ist auf eigene Gefahr von außen frei zu besichtigen.