Pragser Wildsee

Der Pragser Wildsee im Südtiroler Hochpustertal

Der Pragser Wildsee im Südtiroler Hochpustertal zählt zu den schönsten Seen in den Dolomiten. Der See liegt auf einer Höhe von 1.494 Metern über dem Meeresspiegel am Fuße des Seekofels.

Insgesamt hat der See eine Wasserfläche von 31 Hektar. Die tiefste Stelle des Pragser Wildsees ist 36 Meter tief; die durchschnittliche Tiefe des bekannten Bergsees beträgt 17 Meter. Die italienische Bezeichnung des Pragser Wildsees lautet „Lago di Braies“, die ladinische Bezeichnung „Sass dla Porta“.

Vor allem in den Sommermonaten ist der Pragser Wildsee ein Besuchermagnet. Idyllisch liegt der See inmitten der Dolomiten. Hier haben Besucher einerseits die Möglichkeit, dem Alltag den Rücken zu kehren, andererseits kann man von hier aus traumhafte Wanderungen starten. Eine Wanderung führt auf den Seekofel; wer hierzu die Gelegenheit hat, den Gipfel der Pragser Dolomiten zu erklimmen, sollte diese unbedingt wahrnehmen. Vom Seekofel aus hat man nämlich einen einzigartigen Blick direkt auf den Pragser Wildsee. Wer diese Aussicht einmal live genießen kann, der wird uneingeschränkt bestätigen können, dass der Pragser Wildsee zu den schönsten Bergseen der Dolomiten zählt. Meist wird sogar bekräftigt, dass es sich beim Pragser Wildsee um den schönsten Bergsee in den bleichen Bergen – wie die Dolomiten aufgrund ihrer hellen Erscheinung bezeichnet werden – handelt.

Hotel Pragser Wildsee

Direkt am Pragser Wildsee befindet sich das gleichnamige Hotel, mit dem bereits eine lange Geschichte verbunden ist. Vor allem die Ereignisse, die sich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs hier abgespielt haben, haben das Hotel weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht. Die bedeutenden geschichtlichen Ereignisse waren sogar der Grund dafür, dass in dem Hotel das „Zeitgeschichtsarchiv Pragser Wildsee“ untergebracht ist.

Emma Hellenstainer, die als „Frau Emma aus Europa“ bekannte Pionierin auf dem Gebiet des Tourismus hatte am Pragser Wildsee die Ruhe gefunden, welche ihr wieder Kraft für ihren Alltag gab. Den See sah sie als Ort der Erholung an, hatte allerdings auch aufgrund ihres Talentes schnell erkannt, dass auch der Pragser Wildsee touristisch erschlossen werden kann. Daher wurde bereits im Jahr 1890 ein Blockhaus am Ufer des Sees errichtet; hier wurden bald Wein, Bier und Schwarzbrot verkauft. Es dauerte nicht lange, bis eine Gaststätte mit Fremdenzimmern hinzukam. Der Sohn von Emma Hellenstainer, Eduard Hellenstainer, hatte später das Hotel „Pragser Wildsee“ errichten lassen. Die Eröffnung des Hotels erfolgt schließlich am 10. Juli 1899.

Mit dem Hotel „Pragser Wildsee“ zeigte sich einmal mehr, dass die Familie Hellenstainer im touristischen Bereich erfolgreich war. Bald schon reisten in das neue Hotel am Fuße des Seekofels namhafte Gäste an. So schreibt sich das Hotel „Pragser Wildsee“ noch heute auf seine Referenzen, dass im Jahr 1906 die Erzherzogin Marie Valerie von Österreich (dies ist von Kaiser Franz Josef die jüngste Tochter) in dem Hotel nächtigte. Zwei Jahre später kam Erzherzog Franz Salvator von Österreich-Toskana, der Mann von Marie Valerie von Österreich, in das Hotel. Auch der Thronfolger Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand, kam mit Familie und Gefolge in das Hotel „Pragser Wildsee“.

Der Zweite Weltkrieg und das Hotel Pragser Wildsee

Im Hotel „Pragser Wildsee“ haben sich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs (Ende April/Anfang Mai 1945) Begebenheiten ereignet, die noch heute jedem Besucher des Hotels und wer sich mit dem traditionellen Hotel beschäftigt, weitergegeben werden. An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass sich direkt beim Hotel „Pragser Wildsee“ ein kleiner Souvenirladen befindet, in dem die zahlreichen Besucher des Sees die unterschiedlichsten Andenken an den Besuch im Hochpustertal mit nach Hause nehmen können. Zu den Verkaufsgegenständen gehören auch Bücher, die die Geschichte des Hotels wiedergeben – auch die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs.

Der SS-Obergruppenführer Dr. Ernst Kaltenbrunner ließ prominente KZ-Häftlinge in das nahe gelegene Niederndorf transportieren. Dabei handelte es sich um insgesamt 137 prominente Häftlinge aus 17 unterschiedlichen Nationen. Durch die Gewalt über die Häftlinge versprach sich Dr. Kaltenbrunner mit SS-Reichsführer Heinrich Himmler, dass durch die Geiselnahme der Häftlinge eine bessere Verhandlungsposition gegenüber den Alliierten ermöglicht wird. Zu den Häftlingen gehörten unter anderem der ehemalige Bundeskanzler von Österreich Kurt von Schussnigg mit seiner Frau und seiner Tochter, der französische Ministerpräsident Léon Blum mit seiner Ehefrau, der Oberbefehlshaber des griechischen Heeres General Alexandros Papgos, der französische Bischof von Clermont-Ferrand, Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der evangelische Pastor Martin Niemöller und der Domkapitular Dr. Johann Neuhäusler.

Dem mutigen Handeln von Wichard von Alvensleben war es zu verdanken, dass die Deutsche Wehrmacht die Geiseln aus der Gewalt der SS befreien konnte. Dies geschah am 30.04.1945; noch am Tag ihrer Befreiung wurden die Geiseln in das Hotel „Pragser Wildsee“ gebracht. Emma Hellenstainer, die damalige Hotelbesitzerin, beherbergte die befreiten Geiseln bis zum 04.05.1945. Anschließend wurden die Prominenten in die Gefangenschaft der US-Armee genommen und über einige Zwischenstationen (Verona und Neapel) auf die Insel Capri gebracht. Von hier aus wurde den Geiseln nach einigen Verhören die Heimkehr erlaubt.

Das Zeitgeschichtsarchiv

In dem Hotel ist aufgrund der historischen Ereignisse, die sich während des Zweiten Weltkriegs hier abgespielt haben, das Zeitgeschichtsarchiv Pragser Wildsee untergebracht. Zentrales Thema im Zeitgeschichtsarchiv ist der Geiseltransport der prominenten Häftlinge im Zweiten Weltkrieg. Hierüber wurden alle verfügbaren Dokumente der SS, Berichte, Zeugenaussagen, Bücher, Aufsätze und Häftlingsaufzeichnungen gesammelt, welche nun ausgestellt werden. Aber auch andere geschichtliche Themen hat das Zeitgeschichtsarchiv Pragser Wildsee zum Gegenstand. Als Beispiele sind hier die Kämpfe im Ersten Weltkrieg zu nennen, die sich in den Dolomiten abgespielt haben. Aber auch der Beginn und die Entwicklung des Fremdenverkehrs und des Alpinismus im Hochpustertal werden in dem Zeitgeschichtsarchiv für alle Interessierten verdeutlicht.

Angehörige Stauffenbergs und anderer Widerstandskämpfer treffen sich noch heute Jahr für Jahr Mitte Juli im Hotel Pragser Wildsee.

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